Mittwoch, 11 November 2015 21:47

Praktikum in Cork, Irland Nov.´15

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Vom 07.11.-21.12.15 befindet sich eine Gruppe von 6 Auszubildenden zum Heilerziehungspfleger zum 6-wöchigen Praktikum in Cork, Irland. Das Praktikum wird gefördert durch das neue EU-Programm Erasmus+. nabibb 2
Gelesen 1999 mal Letzte Änderung am Montag, 16 Januar 2017 20:26

4 Kommentare

  • Kommentar-Link Maria Montag, 14 Dezember 2015 23:34 gepostet von Maria

    Hallo an alle Interessierten :)
    Kurz bevor unser Praktikum/Aufenthalt in Cork am 20.12.2015 endet, nochmal ein kurzer Einblick in das Arbeitsleben meines Kindergartens.
    Ich möchte Euch meine Einrichtung „St. Columbas Montessori School“ in Cork (Stadtteil Douglas) vorstellen. Ich arbeite von montags bis freitags zwischen 08:30 und 15:00 Uhr. Verglichen mit den Arbeitszeiten in Deutschland ist dies also echter Luxus. Auf Arbeit fahr ich mit dem Bus, der einzige Unterschied zu Jena ist da nur der Preis. In Cork kostet ein Wochentickt zurzeit 22 €!
    In meinem Kindergarten liegt der Betreuungsschlüssel bei 1/11. Die Kindergruppen wechseln über den Tag mehrmals, keine bleibt wie in Deutschland gewohnt von früh bis zum Nachmittag. Konkret heißt das:
    „Morning session“ von 08:30-11:30 Uhr (22 Kinder)
    „Afternoon session“ von 12:00-15:00 Uhr (11 Kinder) alle im Alter von 2-4
    und zusätzlich von Dienstag bis Donnerstag eine „Toddlergruppe“ also Kleinkinder im Alter von 2,4-3 Jahren.
    Wie dem Namen der Einrichtung zu entnehmen ist, ordnet sich der Kindergarten dem Erziehungsstil von Maria Montessori unter. Über die korrekte, praktische Umsetzung lässt sich streiten. Da stellt sich die Frage: „Warum?“ Dazu aber an späterer Stelle mehr.
    Der Tag ist wie schon erwähnt anders strukturiert als in Deutschland. Die Kinder werden am Morgen von ihren Eltern ab 08:30 Uhr gebracht. Wenn die Kinder den Raum betreten, ist dieser gewissermaßen schon für sie vorbereitet.
    Es gibt 4 Tische, jeder von ihnen hat in der Mitte eine andere Farbe. Dadurch hat jeder Tisch ein Merkmal und man kann die Kinder leichter anleiten z. B. an welchem Tisch sich alle zusammenfinden. Diese Idee kannte ich vorher noch nicht, finde ich aber vom Prinzip her sehr hilfreich.
    Auf jedem Tisch befindet sich ein anderes Spielzeug z. B. Lego, Bausteine, Tiere und ein Tisch zum Malen. Die Kinder haben also die Wahl zwischen vier verschiedenen Spielzeugen. Würden sie aber mit einem anderen Spielzeug spielen wollen oder herumtoben, würde man sie auffordern sich wieder an einen der Tische zu setzen. An dieser Stelle war es meiner Meinung nach vorbei mit der Montessori-Pädagogik.
    Weiter geht der Tag mit einem typischen Angebot, wie wir es auch in Deutschland kennen. Enttäuscht war ich hierbei oft, dass die Kinder weniger selbstmachen. Bei Bastelarbeiten z. B. ist das Ergebnis zwar immer schön, die Ideen sind gut aber durch die Hilfe der Erzieher ist es nicht mehr das Werk des Kindes und verliert an persönlichem Charakter.
    Oft aber nicht immer findet im Anschluss darauf noch „Unterricht“ statt. Die Kinder lernen bereits Buchstaben kennen und schreiben. Mit viereinhalb Jahren kommen irische Kinder spätestens in die Schule.
    Um 10:30 Uhr ist dann „Lunch-Time“. Danach proben wir zurzeit fleißig für unser „Christmasconcert“, welches am Donnerstag stattfindet.
    Um 11:30 Uhr werden die Kinder dann abgeholt. In der folgenden halben Stunde haben wir Zeit den Raum für die nächsten Kinder zu reinigen. Ab 12 Uhr kommen die Kinder der „Afternoon-Session“ und etwas später auch die „Toddlergruppe“. Für die Kleinkinder ist dies nur eine „Playschool“ d. h. sie werden noch nicht nach dem Montessori-Ansatz erzogen.
    13:30 Uhr hole ich aus der naheliegenden Boys-School ca. 3-4 Jungen zum Hort („Afterschool“) ab. Parallel dazu werden noch einige Mädchen in der „Gils-School“ abgeholt. Die Kinder der „Afternoon-Session“ haben während dessen ihre „Lunch-Time“. Mit den Grundschülern werden dann Hausaufgaben gemacht, während die anderen Freispielzeit genießen. Zwischen 14:30-15:00 Uhr werden dann alle Kinder von ihren Eltern abgeholt.
    Insgesamt sind so ca. 55 Kinder über den Tag verteilet in der Einrichtung mit 2 Fachkräften. Die Leiterin der Einrichtung kommt außerdem von Dienstag-Donnerstag vorbei um am Nachmittag mit zu helfen.
    Anbei: An der frischen Luft waren wir in den letzten fünf Wochen übrigens nur einmal.
    Wie auch immer..
    Die letzten Wochen sind verflogen wie im Flug und die letzten Tage werden wohl genauso schnell verstreichen.
    Wer neugierig geworden ist kann sich auf der Facebookseite unserer Einrichtung weitere Eindrücke verschaffen (das wäre in Deutschland wahrscheinlich in der Form auch impossible)
    http://www.facebook.com/Barbara-Gaffney-Montessori-schools-510486939059170/?fref=ts

    Eine schöne Weihnachtszeit und ein gesundes neues Jahr,
    Maria

  • Kommentar-Link Tim R. Mittwoch, 25 November 2015 22:32 gepostet von Tim R.

    Hallo Ihr da draußen!

    Die Anderen haben Euch ja schon einen kleinen Einblick in unser Leben hier in Irland gegeben, ich gebe dann auch mal meinen Senf dazu:

    Cork ist eine wunderschöne Stadt, weder sehr groß noch zu klein. Es erinnert mich an Jena, insofern ein Fluss (River Lee) durchfließt und es zu allen Seiten von der Innenstadt bergauf geht. Maria und ich haben das Glück, auf dem St. Patrick's Hill zu wohnen. Glück je nachdem, die Aussicht ist wunderschön, der Anstieg ein unfreiwilliges Training.

    Doch genug davon, ich für meinen Teil möchte Euch eigentlich etwas anderes berichten!

    Genau genommen arbeite ich nämlich nicht in einem „normalen“ Kindergarten oder einer Pre-School. Ich arbeite in Ashbourne, einem kleinen Vorort von Cork. Dort steht ein altes (ehemals luxus) Hotel, das seinen ursprünglichen Dienst eingestellt hat und heute keine reichen Urlauber mehr aus aller Welt beherbergt, die dort eine schöne Zeit verbringen wollen.
    Heute wohnen dort Asylsuchende aus aller Welt, die genau genommen gar kein Geld haben. Sie sind aus unterschiedlichen Gründen nach Irland gekommen, doch die Hauptgründe dafür sind die Kriege, die auf unserem Planeten herrschen und (drohende) Armut oder Verfolgung. Zum heutigem Zeitpunkt werden übrigens 31 Kriege geführt, nicht nur die 3-4, von denen regelmäßig berichtet wird.
    Im Asylheim von Ashbourne wohnen fast nur Familien. Jeder Familie steht ein (1!) Zimmer zur Verfügung, egal wie groß diese Familie ist. Man kann sich also vorstellen, dass dort jeder auf engstem Raum zusammen lebt und die Freiräume, besonders für Kinder, sehr eingeschränkt sind. Wie ich bereits erwähnt habe, steht den Familien nicht viel Geld zur Verfügung, um genau zu sein, nicht einmal genug, um einmal in der Woche auch mal nach Cork in die Innenstadt zu fahren. Geschweige denn um Spielzeug zu kaufen oder auch so etwas wie einen Kindergartenplatz in der Stadt zu finanzieren.
    Glücklicherweise hat sich die Wallaroo Playschool, in der auch Ronny arbeitet, dafür stark gemacht, dort einen eigenen „Kindergarten“ einzurichten. Es wurde von Ashbourne ein Raum zur Verfügung gestellt, der dann ausschließlich mit Spenden ausgestattet wurde. Es konnten drei sehr engagierte Leute angestellt werden, die dort die Betreuung leiten. Betreut wird in drei Gruppen, die ersten zwei für die jüngeren Kinder. Die Spielzeit beschränkt sich auf 2,5 Stunden (erste Gruppe) bzw. eine Stunde (zweite Gruppe). Die dritte Gruppe besteht aus den Kindern, die schon zur Schule gehen, welche zum Glück staatlich finanziert wird. Ihnen stehen 3,5 bis 4 Stunden Zeit zur Verfügung. Zusätzlich zum Angebot, auch mal frei, und nicht eingeengt im kleinen Zimmer zu spielen, helfen wir ihnen auch bei den Hausaufgaben. Irische Schulkinder kriegen übrigens eine ganze Menge Hausaufgaben auf, und gehen oft schon mit 4,5 Jahren zur Schule, schätzt Euch glücklich!
    Jedes einzelne der Kinder ist sehr froh über das Angebot. Es gibt ihnen einen Teil ihrer Kindheit wieder und sie sind sehr dankbar für die Aufmerksamkeit, die sie vom Wallaroo-Team bekommen. Viele von ihnen verbringen fast das ganze Jahr auf dem Gelände des alten Ashbourne Hotels. Somit ist diese Einrichtung, in der ich nun helfe, auch Zentrum der allgemeinen sozialen Arbeit. Hier werden Kleiderspenden an die Familien verteilt, es werden Ratschläge zur Erziehung gegeben, es ist das zusätzliche Bildungsangebot für die Kinder und es werden Streitigkeiten geschlichtet und zwischen allen vermittelt.

    Ich befinde mich also als Ausländer zwischen vielen Ausländern, irgendwo im Ausland und erlebe den intensivsten Kulturaustausch, den ich bisher je miterleben durfte. Das wichtigste, das ich bis jetzt dabei gelernt habe: Es gibt keine Ausländer, nur Weltenbürger, die sich über unsere große Kugel verteilen, und beim Spielen und Rumalbern genauso lachen und weinen wie Du und ich. Also streicht bitte das Wort „Ausländer“ aus eurem Wortschatz! (Danke an Fr. L. für diesen Denkanstoß)

    Ich bin gespannt, was ich in der nächsten Zeit noch alles erlebe und mir geht noch viel mehr zu allem durch den Kopf, doch ich möchte den Rahmen nicht sprengen.

    Namaste!

  • Kommentar-Link Maria Mittwoch, 25 November 2015 22:30 gepostet von Maria

    Hallo an alle Interessierten!
    Ich möchte euch einen kleinen Einblick in das Leben in Cork neben der Arbeit geben.
    Nach dem der erste Tag im College geschafft war, lernten Tim und ich unsere Mitbewohner im Haus kennen. Wir sind derzeit zu Acht in unserem Haus und leben ein typisches WG-Leben. Neben uns wohnen hier drei Franzosen, zwei Spanier und eine Italienerin. Alle sind aus unterschiedlichen Gründen in Cork, das macht es spannend die Geschichte jedes Einzelnen zu hören. Die Menschen hier sind alle sehr hilfsbereit und freundlich, was man meiner Meinung nach so nicht wiederfinden wird in Deutschland. In der Gemeinschaftsküche wird oft gemeinsam gekocht und auch zu spontanen Ausflügen ist immer jemand zu haben.
    Eine weitere Möglichkeit sich in Cork zu Recht zu finden und Anschluss zu bekommen, hatten wir durch das College, welches wir in der ersten Woche hier besucht haben. Man konnte jeden Tag am Nachmittag oder am Abend ein Angebot wahrnehmen. So haben wir gleich einen Rundgang durch das Stadtzentrum mitgemacht, bei dem uns gute Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Apotheken, Pubs usw. gezeigt wurden. Des Weiteren werden sportliche Aktivitäten, ein Kultur- und Exkursionsprogramm geboten, sowie Bildungsvorträge gehalten. Alles in allem ein buntes Programm, bei dem für Jeden was dabei ist.
    Wenn man nach Irland kommt, sollte man auf keinen Fall verpassen, mindestens einmal einen traditionellen irischen Tanz zu lernen. Genau das haben wir mit einer unserer Mitbewohnerinnen in Clancy’s Pub getan. Für zwei Stunden sind wir mit vielen anderen in Bewegung gewesen und haben in den Pausen das Guinness sichtlich genossen.
    Da wir nur eine Woche im College waren und jetzt arbeiten, sind die größeren Ausflüge auf‘s Wochenende verschoben. Am letzten Sonntag sind wir den ganzen Tag auf den Beinen gewesen, um die berühmten „Cliffs of Moher“ zu sehen. Der Trip führte uns vorbei an den „Babycliffs“ hinzu den großen Cliffs und zum Abschluss hielten wir am Bunratty Castle.
    Und Irland sieht genauso aus, wie man es auf so vielen schönen Postkarten zu sehen bekommt. Also wenn ihr die Möglichkeit bekommen solltet, hierher zu kommen, nutzt eure Chance!
    Liebe Grüße, Maria

  • Kommentar-Link Marie, Sandra, Caro, Ronny Sonntag, 22 November 2015 21:23 gepostet von Marie, Sandra, Caro, Ronny

    Kommentar-Link Sonntag, 22 November 2015 21:21 gepostet von Marie, Caro, Sandra und Ronny
    Am 08. November ging unser Flug von Frankfurt nach Dublin. Von Dublin aus sind wir anschließend mit dem Bus nach Cork gefahren wo uns Margaret von Green Horizons abgeholt und uns in unsere Apartments gebracht hat.
    Direkt am nächsten Tag begann unser erster Tag im College. Dort wurden wir anhand unserer Englischkenntnisse in verschiedene Klassen eingeteilt. Fünf Tage lang verbesserten wir zusammen mit Leuten aus aller Welt unser Englisch. Am letzten Tag schrieb wir einen Test und bekamen im Anschluss unser Zertifikat.
    Am Freitagabend gingen wir das erste Mal in einen Pub, verbrachten einen lustigen Abend und waren schockiert über die Preise. Ein Guiness für 5.30€. Da hat's extra gut geschmeckt :)
    Am Samstag hatten wir unseren ersten freien Tag in Cork und haben uns die Stadt angeschaut. Dafür war der Sonntag sehr entspannt und wir haben uns im Cork Opera House den Film "Frozen" angeschaut. Der Film wurde von einem Kinderchor begleitet.
    Am Montag haben wir alle unsere Einrichtungen für die kommenden fünf Wochen kennengelernt. Jeder von uns arbeitet in einem Montessorikindergarten oder in einer Pre School.
    Die Arbeit in den Einrichtungen unterscheidet sich sehr von denen in Deutschland und somit brauchten wir zunächst eine gewisse Eingewöhnungszeit um uns zurecht zu finden. Wir wurden alle von den Erziehern und Kindern super freundlich aufgenommen, so wie es hier in Irland üblig ist.
    Nachdem nun die erste Arbeitswoche geschafft war haben wir uns gestern Kinsale angeschaut, eine kleine niedliche Hafenstadt mit tollen kleinen und bunten Häuschen. Zum Schluss gab es typisch Fish'n'Chips.
    Heute war ein super entspannter Sonntag, dass erste Mal ein Tag ohne Regen. Wir freuen uns alle sehr auf das konstante Wetter in Deutschland...

    Liebe Grüße von Ronny, Caro, Sandra und Marie.

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