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Der Fachkräftemangel in MTA-Berufen verschärft sich. - Bild: Gorodenkoff (stock.adobe.com)Fachkräftemangel in MTA-Berufen verschärft sich

(Artikel aus hcm-magazin.de von Carolina Heske; Link zum Originalartikel >>)

Der Fachkräftemangel macht vor MTA-Berufen nicht halt: Knapp die Hälfte der Kliniken hat schon jetzt Probleme, speziell Stellen für medizinisch-technische Radiologie- bzw. Laboratoriumsassistenz zu besetzen. Zudem arbeiten viele dieser Fachleute nur in Teilzeit. Eine neue Studie des Deutschen Krankenhausinstituts zeigt noch mehr gravierende Lücken auf: Bis 2030 beläuft sich der Mehrbedarf auf knapp 13.000 MTA-Vollzeitkräfte allein für die Kliniken.

Der Fachkräftemangel in MTA-Berufen verschärft sich. - Bild: Gorodenkoff (stock.adobe.com)Alles redet von fehlenden Fachkräften in der Pflege – doch auch in anderen Sparten der Gesundheitsbranche sieht es nicht wirklich rosig aus.

Im Auftrag des Dachverbandes für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland e.V. (DVTA) hat das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) ein Projekt zum Fachkräftemangel in den MTA-Berufen durchgeführt. Ziel war eine bundesweite Analyse des Personalmangels sowie eine Prognose des Personalbedarfs in den MTA-Berufen. Die Untersuchung beschränkte sich ausdrücklich auf die humanmedizinischen MTA-Berufe, also auf medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten (MTLA), medizinisch-technische Radiologieassistenten (MTRA) und medizinisch-technische Assistenten für Funktionsdiagnostik (MTAF).

Zahl der vakanten Stellen steigt

Mittels u.a. Befragungen von Krankenhäusern, MTA-Schulen, außerklinischen Großlaboren und radiologischen Netzwerken beleuchtet die Studie nun die Gesamtsituation der MTA-Branche in Deutschland und zeigt, dass nicht nur schon jetzt Stellen vakant sind, sondern in den nächsten elf Jahren mit noch mehr Lücken zu rechnen ist.

HCM sprach mit DKI-Vorstand Dr. Karl Blum und der DVTA-Präsidentin Christiane Maschek über die wichtigsten Ergebnisse des Abschlussberichts.

Warum ist die Zahl der Krankenhäuser, die MTLA und MTRA vorhalten, seit zehn Jahren stark rückläufig – fehlt es an Geld oder an Personal?

Maschek: In den vergangenen Jahren haben sich durch die Entwicklungen in Medizin und Technik die Anzahl der Untersuchungen erhöht und Untersuchungsmethoden verändert, wie etwa bildgebende Verfahren und digitale Transformation. Die Anzahl der Auszubildenden hingegen ist nahezu gleichgeblieben. Hinzu kommt die demografische Entwicklung, dass rund ein Viertel der beschäftigten MTA im Krankenhaus 55 Jahre und älter sind, daher aus dem Beruf ausscheiden. Bei MTLA ist zu beobachten, dass sie vorwiegend in außerklinischen Bereichen arbeiten, da in den Krankenhäusern häufig noch die Notfalldiagnostik oder patientennahe Sorfortdiagnostik (POCT) durchgeführt wird und teilweise Labore auch outgesourct wurden. Während MTRA und MTAF vorwiegend in den Krankenhäusern arbeiten. Der hohe ökonomische Druck auf die Häuser erschwert die Einstellung qualifizierter MTA zusätzlich. Hier muss ein Umdenken erfolgen.

Ist es zudem nicht problematisch, dass ca. die Hälfte der in den Kliniken beschäftigen MTA nur in Teilzeit arbeitet?

Blum: In der Tat verschärfen die hohen Teilzeitquoten, die in den letzten zehn Jahren zudem zugenommen haben, den Fachkräftemangel in den MTA-Berufen. Hier besteht ein relativ großes Potenzial, durch Arbeitszeitverlängerungen bei Teilzeitkräften zusätzliche Vollzeit-äquivalente zu generieren. Zu diesem Zweck sind Arbeitszeitmodelle und Arbeitsbedingungen zu entwickeln, die es Teilzeitkräften ermöglichen, länger oder flexibler zu arbeiten, da es sich hier um einen frauendominierten Beruf handelt.

Wie stellt sich die Situation im MTA-Bereich aufgrund dieser Umstände aktuell für die Häuser dar?

Maschek: Wir müssen bei dem Personalbedarf unterscheiden nach Sofortbedarf, altersbedingten Ersatzbedarf und fallzahlbedingtem Zusatzbedarf. Das heißt, der Sofortbedarf von 1.170 VK muss durch eine dringende Ausbildungsnovellierung erfolgen. Es muss eine Erweiterung der praktischen Ausbildung sowie Veränderung der Arbeitszeitmodelle, wie etwa Teilzeitangebote, stattfinden. Abteilungen sollten sich mit Ausbildungsstätten als attraktive Arbeitgeber darstellen und so die Akquise für die Ausbildung unterstützen. 

Derzeit ist rund die Hälfte der MTA in Kliniken mindestens 45 Jahre alt, je rund ein Viertel 55 Jahre oder älter. Welche Lücken nahen durch anstehende Renten?

Blum: Die MTA ab 55 Jahre werden bis 2030 altersbedingt faktisch komplett aus dem Berufsleben ausscheiden. Umgerechnet auf Volkraftstellen entspricht dies einem altersbedingten Ersatzbedarf von 7.600 VK. Dabei sind die MTA, die vor Renteneintritt zeitweise oder vollständig aus dem Beruf aussteigen, nicht einmal mitgerechnet.

Schließlich muss auch die Entwicklung von Fallzahlen einbezogen werden. Wieviel Zusatzbedarf an Personal ist für diesen Punkt zu kalkulieren?

Blum: In der Summe über alle drei MTA-Berufe taxieren wir den Fallzahl bedingten Zusatzbedarf auf knapp 4.000 VK allein im Krankenhaus. Relativ gesehen, fällt er bei MTLA infolge des medizintechnischen Fortschritts (fortschreitende Automatisierung, patientennahe Sofortdiagnostik etc.) geringer aus als bei den personalintensiven Leistungen von MTRA und MTAF. Durch fremdbesetzte Stellen mit Beschäftigten ohne MTA-Qualifikation wird der Bedarf an MTA höher sein als aktuell abgebildet. 

Hochgerechnet wären das insgesamt 12.740 Vollkräfte, die bis zum Jahr 2030 allein in Krankenhäusern bundesweit gebraucht werden. Ist es realistisch, diese Stellen mit Absolventen der MTA-Schulen besetzen zu können?

Blum: Die 12.740 VK betreffen nur den Mehrbedarf im Krankenhaus. Für den außerklinischen Bereich sind keine verlässlichen Schätzungen möglich. Vor allem im Laborbereich ist aber auch hier mit einem relevanten Mehrbedarf zu rechnen. 2017 gab es zwar rund 1.800 Absolventen in den MTA-Ausbildungen. Diese Anzahl würde zur Bedarfsdeckung allenfalls ausreichen, wenn alle Absolventenjahrgänge bis 2030 kontinuierlich Vollzeit arbeiten würden. Davon ist selbstverständlich nicht auszugehen.

Und wie qualifiziert sind denn diese Absolventen für die Zukunft, etwa zur rasanten Digitalisierung?

Maschek: Mittlerweile reichen die Qualifikationen nur noch bedingt aus, da wir eine Ausbildung- und Prüfungsverordnung brauchen, die zum einen kompetenzorientiert ausgerichtet ist und zum anderen fachbezogene Strukturen auflöst, um mehr Flexibilität zuzulassen. Wir müssen in der Ausbildung mehr technische Anwendungen, Qualitätsmanagement sowie auch den Umgang Datenmanagement und digitalen Systemen lehren. Es müssen auf der einen Seite Generalisten ausgebildet werden, die in Krankenhäusern gesamtdiagnostische Prozesse steuern und auf der anderen Seite Spezialisten.

Was tun die Häuser, um Personal zu gewinnen – locken z.B. finanzielle Anreize, wie schon in der Pflege üblich?

Blum: Finanzielle Anreize zur Personalgewinnung kommen bei MTA selten zum Einsatz. Außer- oder übertarifliche Zahlungen gehören nur in 13 Prozent der Krankenhäuser zum Standard. Die gezielte An- oder Abwerbung von Mitarbeitern, etwa über Abwerbung bei anderen Häusern oder Anwerbungen aus dem Ausland, findet selten statt. Zur Personalgewinnung bei Schulabgängern oder Berufseinsteigern setzen die Krankenhäuser vor allem auf Hospitationen und Informationsveranstaltungen im Krankenhaus.

Welche Chancen sehen Sie, um diese Personalprobleme zügig anzugehen – braucht es vielleicht eine vielseitigere Ausbildung oder attraktivere Tätigkeitsfelder wie die Übernahme ausgewählter ärztlicher Aufgaben?

Maschek: Es müssen dringend die Ausbildungsstrukturen geändert werden. Es braucht attraktive Ausbildungen mit Karriereperspektive, wie etwa durch hochschulische Ausbildungen und bundeseinheitlich verpflichtende Weiterbildungen. Modularisierte Ausbildungen würden den Quereinstieg ermöglichen und es könnte auf Bedarfe schneller reagiert werden. Unser Handlungsfeld ist anspruchsvoll und es kann etwa die biomedizinische Validation sowie weitere Tätigkeiten bis zur Vorbefundung an MTA delegiert werden. Zukünftig sollte darüber nachgedacht werden, den Gesamtbereich der Diagnostik auf den Prüfstand zu stellen und Verantwortlichkeiten neu zu denken.

Muss man sich Sorgen machen um Behandlungsqualität und Patientensicherheit?

Maschek: Ich mache mir in der Tat Sorgen, denn wir brauchen dringend mehr MTA, um auch zukünftig die Patientensicherheit nicht zu gefährden. Der Einsatz anderer Berufsgruppen im Handlungsfeld der Diagnostik sowie KI oder digitale Systeme können MTA nicht ersetzen. Leider reagieren wir in Deutschland erst auf bereits eingetretene Situationen und denken zu wenig in die Zukunft. Wir müssen jetzt Ausbildungen schaffen, die Flexibilität zulassen und gleichzeitig die Attraktivität des MTA-Berufes erhöhen. „Ohne MTA Diagnostik, ohne Diagnostik keine Therapie!“ Es wird Zeit, etwas gegen den Fachkräftemangel in den MTA-Berufen zu tun.